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Den Anfang archäologischer Feldforschung im Maya-Gebiet machten Erkundungen bedeutender Ruinenstätten seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Die urwaldüberwucherte Ruinenstadt Otolum nahe dem Dorf Palenque hatte schon früh das Interesse der ansässigen nichtindianischen Bevölkerung
geweckt.
Der spanische König Karl III. griff die Meldungen über die Entdeckung von Ruinen in seinen amerikanischen Kolonien begierig auf und ließ 1786 durch den Artillerie - Hauptmann Antonio del Rio eine Expedition dorthin schicken. Die Erforschung der Ruinen war dank des Talentes ihres Leiters erfolgreich.
Dennoch kam es zur Veröffentlichung seiner sorgfältigen und umsichtigen Bestandsaufnahme von
Gebäuden und Skulpturen erst etwa 30 Jahre nach ihrer Erforschung, und zwar nicht in Spanien, sondern in England und Deutschland.
Ein Anfang war gemacht und das Interesse geweckt, doch zunächst kam die Forschung nicht voran, weil infolge der Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonien von Spanien in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts Chaos herrschte und Fremde sich kaum in die entlegeneren Gebiete Zentralamerikas wagten.
John Lloyd Stephans, ein unternehmender Nordamerikaner, und der englische Architekt Frederick Catherwood, beide bereits Forschungsreisende mit Erfahrungen im Orient, durchstreiften nach dem Abklingen der Kämpfe von 1839 bis 1841 das ganze Maya-Gebiet. Ihre Bücher stimulierten mit
spannenden Reiseschilderungen aus Stephens' Feder und romantischen Stichen nach Catherwoods Zeichnungen die Öffentlichkeit am nachhaltigsten. Beide hatten im weiteren
Leben kein Glück mehr: Ihre Sammlungen, darunter auch Catherwoods Bilder, verbrannten bei verschiedenen Unfällen in London und Washington, und Stephens erlag, noch relativ jung an Jahren, der Malaria, die er sich in Panama zugezogen hatte, während sein Reisegefährte Catherwood auf dem Atlantik bei einem Schiffsunglück ertrank.
Mit Stephens und Catherwood schloß die vor-photographische Ära ab; denn schon während die beiden Yukatan bereisten, waren in Frankreich und England die photographischen Verfahren der Herren Daguerre und Talbot erfunden und mit Erfolg erprobt worden. Der Franzose Desire Charnay versuchte sich bereits um 1860 mit beachtlichem Erfolg im Photographieren von Ruinenstätten in Mexiko und eben auch im Maya-Gebiet. Diese Dokumentationstechnik blieb bis heute unentbehrlicher Standard der Forschung und wurde schon zwanzig Jahre später von dem ehemaligen englischen Kolonialbeamten Alfred Percival Maudslay und dem in Rom geborenen badischen Staatsbürger und nachmaligen kaiserlich-mexikanischen Hauptmann Teobert Maler zu so hoher Qualität entwickelt, daß ihre Aufnahmen noch heute, 100 Jahre nach den Forschungen, die primäre Dokumentation darstellen. Malers und Maudslays Unternehmungen waren privat organisiert und finanziert. Beide opferten ihr persönliches Vermögen dafür. Architekturaufnahmen, Karten und Grundrisse gaben dem Leser zu Hause ein gutes Bild von der Baukunst der Maya und der Anlage der Städte. Und vor allem Maudslay sorgte dafür, daß einige mit Papiermache abgeformte und später in Gips gegossene Skulpturen und kleinere Sammlungen von Originalartefakten zusammen mit Gemälden nach Feldskizzen in London bewundert werden konnten, während Maler durch Dia-Vorträge das Pariser Publikum begeisterte