Yucatan - Reisen in die Mundo Maya


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Höhlen und Cenoten



Kaum eine Gegend auf dem Planeten ist derart unterkellert und durchlöchert wie die mexikanische Halbinsel Yucatán, das ehemalige Reich der Maya. Und kaum ein Labyrinth birgt noch so viele Geheimnisse und Geschichten wie diese Unterwelt. Das System aus Gängen, Höhlen, Spalten und Röhren steht unter Wasser - und niemand weiß, wie groß es wirklich ist, und was sich dort noch alles verbirgt.



Die Halbinsel Yucatán ist wie ein Schwamm von wassergefüllten Höhlen durchzogen. Vor Millionen von Jahren wusch der Regen auf dem Weg ins Meer ein unterirdisches Flusssystem in den Kalksteinboden. Teilweise wurden so große Höhlen ausgespült, dass die Decken einstürzten und so genannte Cenoten entstanden. Dieses Naturschauspiel ruft wiederum nicht nur Wissenschaftler auf den Plan, sondern auch Tauchanfänger, Tauchprofis, Unterwasserfotografen und Videofilmer.



Yucatán ist ein Eldorado für Archäologen, Anziehungspunkt für Forscher aus aller Welt, denn das Volk der Maya hinterließ Tempel, Pyramiden und Städte im Dschungel. Unter der Erde liegt noch mehr - was Unterwasserarchäologen aber erst seit wenigen Jahren erforschen.
Eine Wassertemperatur von 25 Grad, eine sehr schwache Strömung und Sichtweiten bis zu 100 Meter lassen das Cenotentauchen zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Alles, was man braucht, ist ein Open-Water-Diver und eine Tauchbasis mit einem erfahrenen Höhlentaucher, der einen begleitet. Noch eine Zahl zum Schluss, um die Dimensionen zu verdeutlichen: Das Höhlensystem „Nohoch Nah Chich“ – das große Vogelhaus – umfasst bislang 72 Kilometer, und es sind noch längst nicht alle Gänge erforscht ...



Die Wege beginnen am Ufer der sogenannten Cenotes - rund 3000 kleine Wasserlöcher, irgendwo im Dschungel versteckt, durch die sich nur wagemutige oder besessene Taucher mit Spezialausrüstung in die Unterwelt zwängen. Und dort dann liegen sie, die Fundgruben für Archäologen und Grabräuber.

Es ist eine gefährdete Welt, denn oben brummt die Gegenwart Mexikos. Yucatán ist Tourismusschwerpunkt, mit Tequila und Traumstränden. Oben klingt alles anders.
Die Zukunft kündet ihr Kommen mit lautem Poltern an, es wird gerodet und gebaut. Auf den Straßen Yucatáns donnern Lkw über die holprigen Pisten und bringen den Beton für die Bettenburgen der Zukunft.

Nur wenige Meter darunter schlafen die Götter der Maya in ihren nassen Grotten, seit langer Zeit ungestört, unentdeckt. Jahrhundertelang nahmen die Höhlen Knochen, Pflanzen, Ablagerungen und Zeugnisse urzeitlicher Menschen auf. Eiszeiten sind in ihre Wände eingeschrieben, Sedimente konservierten die Knochen prähistorischer Tiere.

Die Löcher im Karst waren mystische Stätten, Maya-Pyramiden sind oft in der Nähe von Cenotes gebaut.
An den Rändern der tiefen Becken hielten sie ihre Opferrituale ab. Für die Maya waren die Cenotes Eingänge nach Xibalba - dem Jenseits. Und das Reich der Toten nahm in ihrer Vorstellung Einfluss auf die Lebenden.

Für die Maya war alles miteinander verbunden, ihr Weltbild glich einem Baum: In der Mitte die Menschen, die Äste trugen den Himmel, und unter der Erde ragten die Wurzeln in das Reich der Toten. Dort regierte der Regengott Chac, dem man Opfer darbringen musste.

Manchmal schnitten sich die Maya-Priester mit Klingen und ließen das Blut in die Cenotes fließen. Manchmal versenkten sie auch größere Gaben, verstaut in schweren Tonkrügen. Und oft töteten sie am Rand der Cenotes Sklaven oder Gefangene und ließen dann deren Körper ins Wasser der Unterwelt gleiten.

Sehr lange glaubten Wissenschaftler, dass nur Jungfrauen in den Cenotes ihr Ende fanden - lebend hineingestoßen oder vorher zur Ader gelassen und dann in den Löchern versenkt. "Doch jetzt können wir nachweisen, dass nicht alle Toten dort unten Menschenopfer waren - und dass auch nicht nur Frauen da unten liegen".

Die Maya erlebten ihre Blütezeit zwischen 300 und 900 nach Christus. Sie beherrschten ein Gebiet, das große Teile Mittelamerikas umfasste. Sie hatten eine hochentwickelte Kunst und Architektur, sie kannten viele Gesetze der Mathematik und der Astronomie. Doch bis heute ist ungeklärt, warum diese Hochkultur um 900 nach Christus dann an Bedeutung verlor und schließlich unterging.
Die Unterwasserarchäologie in den Cenotes ist noch eine junge Disziplin, erst seit einigen Jahren dringen wagemutige Wissenschaftler in das dunkle Nass vor, auf der Suche nach Knochen, Gefäßen, Werkzeugen, nach stummen Zeugen also, die ihnen helfen könnten, eine längst vergangene Zeit zu verstehen.

Doch sie sind nicht allein. Grabräuber haben auf Yucatán bereits in großem Stil geplündert. "Die Objekte werden im Internet für mehrere tausend Dollar gehandelt". Für die Unterwasserarchäologie eine Katastrophe.


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